St. Anton am Arlberg
Eine internationale Skistory mit Adelstitel
AK, zwei Buchstaben, ein Begriff, ein Ereignis im alpinen Skisport: Das Arlberg-Kandahar-Rennen. Zahlreiche Geschichten und Anekdoten ranken sich um diesen Wettbewerb. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb hat das Arlberg-Kandahar-Rennen wie kein anderes Skisport-Geschichte geschrieben: Es gab einmal eine österreichisch-britische Koproduktion und die entstand auf Umwegen über die Schweiz. Die Engländer waren damals, man schrieb Anfang der zwanziger Jahre, was Skireisen anbelangt, allen anderen europäischen Ländern voraus. Und da die Briten mit Bergen wenig gesegnet sind, tummelten sie sich überall in den Alpen und gründeten schließlich im schweizerischen Mürren einen Skiclub - wohlgemerkt einen britischen. Sie nannten ihn den Kandahar-Skiclub. Der Name Kandahar ist auf eine Provinzhauptstadt in Afghanistan zurückzuführen. Lord Robert, ein englischer General, brachte ihn in den Skisport ein. Der General diente Ihrer Majestät als Kommandeur in Afghanistan, wo er für seine Verdienste zum Earl of Kandahar geadelt wurde. Der so Ausgezeichnete stiftete seinem Skiclub den "Roberts of Kandahar-Preis".
Foto (download): Die berühmte Kandahar-Abfahrt in St. Anton am Arlberg, Fotograf Friedrich Schmidt
Arnold Lunn, einer der britischen Skipioniere und ein unermüdlicher Kämpfer um die Anerkennung der alpinen Disziplinen Abfahrt und Slalom, hatte sich in den Kopf gesetzt, mit dem "Skigott" der 20er Jahre, dem St. Antoner Hannes Schneider, gemeinsame Sache zu machen. Im Winter 1927 organisieren die Mitglieder des englischen Kandahar-Clubs und der Skiclub Arlberg ein Skirennen in St. Anton. Arnold Lunn, vom Slalom-Pioniergeist ergriffen, rammte Holzstangen in den Schnee - für den Arlberg eine neue Skifahr-Variante. Mehr als 20 junge St. Antoner Skicracks kurvten mit einem riesigen Spaß um die Stangen. Die Begeisterung aller Beteiligten ermutigte Arnold Lunn und Hannes Schneider, im darauffolgenden Jahr einen alpinen Kombinationswettbewerb, bestehend aus Slalom und Abfahrtslauf, auszurichten. Das war die Geburt des Arlberg-Kandahar-Rennens. Die beiden Gründerclubs gaben ihm den Namen. Sein internationales Debüt fand am 3. und 4. März 1928 am Galzig, dem St. Antoner Hausberg statt, auf einer schnellen, geländemäßig ungemein coupierten 4,2 Kilometer langen Strecke, die der Skiwelt gehörigen Respekt abverlangte. Auch der Slalom wurde am Galzig gefahren. 45 Läufer aus Österreich, der Schweiz, England und Amerika traten zum Wettbewerb an. Der Innsbrucker Benno Leubner gewann die Kombination und den Slalom. Schnellster in der Abfahrt war Friedrich Schneider aus Stuben.
Bereits zwei Jahre später errangen die Gründungsväter einen beachtlichen Erfolg: Die bislang von den traditionsreichen nordischen Disziplinen beherrschte FIS erkannte 1930 die alpinen Skirennen offiziell an. In den Jahren 1929 und 1930 blieb das Arlberg-Kandahar in St. Anton. Ab 1931 ging man mit ihm, nach englisch-österreichischer Abmachung, in die Schweiz, nach Mürren. Beide Orte wechselten sich von da an mit der Austragung ab. 1948 kam Chamonix als dritter Kandahar-Veranstaltungspartner hinzu, in den 50er Jahren auch noch Sestrière und Garmisch-Partenkirchen. Egal übrigens, in welchem Ort das Skisport-Ereignis stattfand und noch stattfinden wird, es gilt ein unumstößlicher Beschluss der beiden Gründerclubs, wonach der Titel Arlberg-Kandahar immer anzuwenden ist.
Anfang der 70er Jahre häuften sich organisatorische Schwierigkeiten - Mürren und Sestrière traten als Veranstalter zurück.
Die Abfahrtsrennen am Arlberg - die Strecke wurde im Jahr 1958 vom Galzig zum Kapall verlegt - verlangten den Fahrern alles ab. Der mehrfache Weltmeister Karl Schranz formulierte einmal: "Die St. Antoner Abfahrt, Kitzbühel und Wengen, das waren immer meine liebsten Strecken, weil da sowohl Mut und Kondition als auch Technik erforderlich sind". Eine Meinung, die heute noch ein Großteil der Weltklassefahrer teilt.
Aus Sicherheitsgründen musste die St. Antoner Strecke immer wieder entschärft werden - ein Tribut an die enorme Entwicklung von Fahrkönnen, Technik und Material. Trotzdem: Wer nicht zur absoluten Spitzenklasse der Skiläufer zählt, hat hier kaum eine Chance.
Dies ist bereits schöne Tradition: Das Arlberg-Kandahar-Rennen in St. Anton am Arlberg ist nicht nur ein sportliches, sondern auch ein gesellschaftliches Ereignis. Ehemalige Weltklasse-Skisportler sowie Prominenz aus Wirtschaft, Politik und dem Showbusiness treffen sich während des Arlberg-Kandahar-Wettwerbs dort, wo 1928 einst alles begann. Der Termin des Damen Weltcuprennens in diesem Winter steht fest: 21. und 22. Dezember 2007.
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