Tourismusverband München-Oberbayern
Raus aus dem Alltag, rein ins Landleben
Er heißt Christian, ist 18 Jahre alt und hat schon mehr Heiratsanträge als so mancher Popstar. Das liegt nicht zuletzt am Hof seiner Eltern und an den Pferden, für die er zuständig ist. „Für viele Mädchen ist Reiten der Traum schlechthin und als Bäuerin könnten sie sich dieses Vergnügen langfristig sichern“, erklärt Mutter Gerda Walser die zahlreichen Offerten. Sie führt mit dem Berghof Walser in Obersöchering (Pfaffenwinkel) einen der 785 landwirtschaftlichen Betriebe, die sich unter dem Label „Urlaub auf dem Bauernhof“ in Oberbayern zusammengeschlossen haben. Zugleich ist sie Regionalvertreterin des bayerischen Landesverbands.
Abwechslung ganz ohne gekünsteltes Animationsprogramm, hautnahes Miterleben des bäuerlichen Tagesablaufs, in der intakten Natur die Seele baumeln lassen, neue Kräfte sammeln und Abstand zum Alltag gewinnen – all das lässt Urlaub auf dem Bauernhof immer beliebter werden. Schon ab 40 Euro pro Tag können Eltern mit zwei Kindern im Appartement oder in der Ferienwohnung pures Landleben genießen. „Und das mit Familienanschluss, denn im Durchschnitt vermieten die oberbayerischen Bauernhöfe nur zwei Wohnungen, so dass man sich tatsächlich näher kommt“, so Gerda Walser.
Mit dem steigenden Interesse an der ländlichen Urlaubsidylle ist das Angebot vielfältiger geworden. Urlaub auf dem Bauernhof heißt längst nicht mehr nur Pferde reiten, Kühe melken, Hühner füttern oder Heu machen. Zahlreiche Höfe haben sich spezialisiert: Kräuterpädagoginnen geben ihre Geheimnisse preis, Vitalbäuerinnen helfen müden Städtern auf die Beine, auf Gesundheitshöfen können Eltern und Großeltern kuren, während der Nachwuchs im Stall und auf dem Feld unterwegs ist oder mit kostenlosen Leihfahrrädern die Gegend erkundet. Yogakurse gehören ebenso zum Repertoire wie Kochkurse oder die Einführung in biologische Landwirtschaft.
Einer der zahlreichen Biohöfe ist der Moserhof, der in Samerberg zwischen Chiemsee und Inn liegt und als idealer Ausgangspunkt für Wanderungen und Mountainbiketouren gilt. Neben der Gewissheit, dass das Frühstücksei auch wirklich unbelastet ist, können die Gäste einen traumhaften Bergblick genießen. Wer sich nebenan im Estermannhof einquartiert, kann dem Bauern und dem Milchvieh auf die Alm folgen und wer den Siglhof wählt, hat Gelegenheit, beim Schnapsbrennen zuzuschauen. Oder wie wär’s zur Abwechslung mal mit Yoga auf der Blumenwiese? Im wenige Kilometer entfernten Nußdorf am Inn bietet der Lagler-Hof fernöstliche Entspannungsmethoden.
Kneippsche Anwendungen dagegen gibt’s auf dem Fürstenberger Hof in Frauendorf. Das idyllisch gelegene Anwesen ist das erste in der Region Inn-Salzach, das sich als Kneipp-Gesundheitshof qualifizierte. Neben Wassertreten zählen frische Kräuterbäder, Sauna und Whirlpool zum Wellness-Angebot.
Überliefertes bäuerliches Wissen rund um Gesundheit und Lebensfreude dagegen vermitteln die 13 Vitalbäuerinnen im Tölzer Land und im Miesbacher Alpenland ihren Gästen. Selbst erzeugte Pflegeöle, Kräuter-, Blüten- und Molkebäder, Heu- und Dinkelkissen steigern das Wohlbefinden in einer Umgebung, in der Körper, Geist und Seele zur Ruhe kommen. So etwa auf dem Ortererhof in Jachenau. Handverlesene Kräuter-Tees und besondere Brotaufstriche sorgen für Gaumenfreuden und Genuss ohne Reue. Selbstverständlich werden die Vitalhöfe natürlich bewirtschaftet und was auf den Tisch kommt, ist entweder selbst gemacht oder kommt vom Nachbarn.
In 220 Unterrichtsstunden auf Un-Kräuter spezialisiert haben sich zahlreiche Kräuterpädagoginnen, zu denen auch Christa Schlögel gehört. Auf ihrem Seeleitenhof in Sindelsdorf (Pfaffenwinkel) gibt sie ihr Wissen auf Kräuterwanderungen und in Kochkursen weiter. Sie verrät, wie man Wildkräuter findet, woran man sie erkennt und wie sich leckere Delikatessen wie Gierschlimonade oder Labkrautgelee zubereiten lassen. Mit selbst gerührten Cremes, Wildkräuter-Pflegeölen und Teekräutern kann das Wellnessprogramm zuhause fortgesetzt werden.
Für Kinder dagegen ist der „Erlebnisspielplatz Bauernhof“ nach wie vor das wichtigste Argument. Auf dem Grünberghof in Fischbachau trifft sich der Nachwuchs im eigens hergerichteten Spielstadl – einer Scheune ohne Heugabeln und sonstige Gefahrenquellen. Hier in der Alpenregion Tegernsee-Schliersee vergessen Gäste-Kinder die Zeit, wenn sie aus Strohballen Türme und Höhlen bauen oder im Heu umhertollen und dabei neue Freunde finden. Denn der Spielstadl ist nicht zuletzt wegen des angrenzenden Cafés auch für die Einheimischen ein beliebter Treffpunkt. Wer abschalten möchte, kann sich seinen Kuchen mit in den Obstgarten nehmen und auf der Liege unterm Apfelbaum ein Nickerchen einlegen.
Während Gäste auf Oberbayerns Bauernhöfen das Landleben genießen, freut sich Gerda Walser vom Berghof Walser auch über den einen oder anderen Lerneffekt: „Eine Städterin schaute zu, wie mein Mann junge Kälber zum ersten Mal auf die Weide trieb. Das ist harte Arbeit, denn die kennen weder Zaun noch Weg. Anschließend sagte sie, sie werde ihren Joghurt von jetzt an immer mit Andacht essen.“
Übrigens: Rund die Hälfte der 785 Ferienhöfe finden sich im Katalog „Urlaub auf dem Bauernhof in Oberbayern“, alle mit detaillierter Beschreibung und die meisten mit Klassifizierung nach dem bekannten Sterne-Schema.
Weitere Informationen unter www.oberbayern.de
Der Tourismusverband München-Oberbayern e.V. ist der touristische Dachverband im Regierungsbezirk Oberbayern. Der größte touristische Verband Deutschlands bündelt die Interessen von über 350 Mitgliedern und steht für 32 Millionen Übernachtungen (in Betrieben ab neun Betten).
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